Der Andere

Das Abholen des Anderen ist das Ziel oder Anliegen in jedem Gespräch.  Selbstverständlich gehen wir davon aus, dass rhetorische Grundlagenkenntnisse in Argumentation, Gesprächsführung und Redeaufbau wichtige Bausteine für den öffentlichen Auftritt sind.
Aber inwieweit gelingt es, den Anderen wirklich zu erreichen?

Hier spielen mein Blick in den Raum, die Entscheidungen, die darauf folgen und meine daraus resultierende Stimme und Artikulation eine entscheidende Rolle. Es ist also ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, das es zu untersuchen gilt, um  den öffentlichen Auftritt wieder zu erleichtern bzw. organisch gestalten zu können.

Um den Kontakt, den wir beim Sprechen eingehen, genauer zu beschreiben, müssen wir uns erst einmal bewusst machen, dass der Mensch physiologisch und neurologisch darauf ausgerichtet ist, zu jeder Zeit in Beziehung zu treten, sei es zu einem anderen Menschen, einem Objekt oder zu einer Situation. Wenn dieser Kontakt nicht gelingt, liegt es zumeist an einem aktiven Verspannen, das die natürliche Aufnahme einer authentischen Beziehung in einer gegebenen Situation verhindert.

Diese Verspannung ist immer hörbar, und zwar nicht nur stimmlich, sondern auch dahingehend, dass die Worte nicht so gemeint klingen, wie sie gemeint waren, und anscheinend ihre Richtung verlieren. Ein solches Verhalten kennt jeder von uns. Es ist leicht aufzulösen, indem wir es zunächst einfach wahrnehmen und realisieren, welche körperlichen Reaktionen hierbei auftreten – oft verkleinert sich beispielsweise das Atemvolumen, der Rücken verkürzt sich. Unsere gewünschte Präsenz im Raum ist schmal geworden.  Um wieder in ein zielgerichtetes und sinnliches Sprechen zu gelangen, arbeiten wir bewusst mit diesen hemmenden Mustern.